Weiße Buchstabensteine bilden das Wort Mindset auf einem roten Hintergrund. Dies symbolisiert das Design Thinking Mindset, das eine offene, experimentierfreudige und nutzerzentrierte Denkweise fördert.

Das richtige Mindset für erfolgreiches Design Thinking

Design Thinking bietet Dir als Solopreneur und Gründer eine spannende Möglichkeit, Kundenbedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen und innovative Lösungen zu entwickeln. Doch der Erfolg dieser Methode hängt stark von der richtigen Denkweise ab: Ein „Beginner’s Mindset,“ echte Empathie für Deine Zielgruppe und die Offenheit, aus Fehlschlägen zu lernen, sind nur einige der Prinzipien, die Dir dabei helfen, den Design Thinking Prozess voll auszuschöpfen.

In diesem Artikel erfährst Du, wie Du die wichtigsten Elemente dieses Mindsets verinnerlichst und mit praktischen Übungen und Werkzeugen langfristig die beste Haltung zu Komplexität und Ungewissheit entwickelst.

Warum ist das richtige Mindset im Design Thinking so wichtig?

Das Einsatzgebiet von Design Thinking ist von schnellen Veränderungen, großer Ungewissheit, hoher Komplexität und vielen Mehrdeutigkeiten gekennzeichnet. Also all dem, was auch unter dem Stichwort VUCA-Welt bekannt ist. Aus einem solchen Umfeld entstehen für Dich als Solo-Gründer jedoch ganz spezielle Herausforderungen, wenn Du Design Thinking erfolgreich anwenden möchtest. Wenn Du also mit dem „falschen Mindset“ an die ganze Sache herangehst, wirst Du nur frustriert sein. Schlimmstenfalls wirst Du bestimmte Methoden nicht sinnvoll anwenden, wichtige Phasen überspringen oder ganz auslassen und so nicht zum gewünschten Ergebnis kommen.

Gerade wenn Du als Solo-Gründer bootstrappst (also Dein Business ohne externe Finanzierung aufbaust) wird dieser Aspekt noch wichtiger. Ohne große Budgets oder ein Team im Rücken brauchst Du ein unternehmerisches Mindset, das Dir hilft, bei großer Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben.

Wie genau das aussehen kann, erfährst Du im Artikel Bootstrapping für Solopreneure – Mindset statt Millionen.

Kernprinzipien des Design Thinking Mindsets

Beginner’s Mindset

Das erste wichtige Prinzip im Design Thinking ist ein Beginner’s Mindset. Um Dich von Deinen eigenen Vorannahmen, Glaubenssätzen und Vorurteilen zu befreien, musst Du Dir vorstellen, ein blutiger Anfänger zu sein, der noch gar keine Ahnung hat. Weder davon, wie das Problem Deiner Zielgruppe eigentlich genau aussieht, noch was eine potenzielle Lösung dafür sein könnte.

Kurz gesagt: Du machst ja Design Thinking, weil Du weder das Problem noch die Lösung genau verstanden hast. Oder umgekehrt: Wenn Du beides bereits voll durchdrungen und verstanden hast, brauchst Du auch kein Design Thinking zu machen.

Empathie und Nutzerzentrierung

Das zweite wichtige Prinzip des Design Thinking Mindsets sind Empathie und Nutzerzentrierung. Design Thinking fokussiert auf Menschen. Du musst Dich deshalb voll und ganz auf Deine Zielgruppe einlassen und genau verstehen, „wie sie tickt“.

Empathie - Design Thinking Mindset
Empathie ist ein wichtiges Grundprinzip für ein erfolgreiches Design Thinking Mindset

Das bedeutet auch, dass Du Deine Zielgruppe nicht für Verhaltensweisen oder Denkmuster verurteilst, die Du selbst vielleicht nicht nachvollziehen kannst. Selbst dann, wenn Du bestimmte Standpunkte Deiner Zielgruppe nicht teilst, musst Du sie dennoch als gegeben hinnehmen können. Denn nur so kannst Du ihnen dabei helfen, ihre Ziele zu erreichen.

Nur mit ausreichend Empathie wird es Dir gelingen, in die Welt Deiner Nutzer einzutauchen und diese mit ihren Augen zu sehen.

Offenheit für Fehler & Irrtümer

Die eingangs erwähnte VUCA-Welt führt zwangsläufig dazu, dass Du von falschen Voraussetzungen ausgehst und Du während Deines Design Thinking Prozesses Irrtümern aufsitzt. Zum Design Thinking Mindset gehört deshalb auch ein guter und konstruktiver Umgang mit Fehlern.

Lernen durch Experimente

Das (ergebnisoffene) Experimentieren mit potenziellen Lösungen und ein Growth Mindset sind deshalb ebenfalls ein fester Bestandteil im Design Thinking. Denn die Kreativ-Methode unterstützt Dich vielmehr dabei, schnell hinzuzulernen und Erkenntnisse zu gewinnen, statt einen vorher festgelegten Plan umzusetzen.

Perspektivenvielfalt durch diverse Teams

Design Thinking funktioniert immer dann am besten, wenn Dein Thema aus vielen verschiedenen Blickwinkeln beleuchtest. Das gilt sowohl für das Problem Deiner Nutzer als auch für die Ideenfindung. Der Design Thinking Prozess wird deshalb meist in interdisziplinären Teams durchlaufen, um Kreative Felder entstehen zu lassen.

Kreative Felder

Das macht es für Dich als Solopreneur natürlich nicht immer besonders leicht, weil Du vieles alleine machen wirst. Allerdings gibt es hier einige Möglichkeiten für Dich, Dich mit anderen Menschen zu vernetzen, um mit ihnen gemeinsam kreative Ideen zu erarbeiten. (Dazu weiter unten mehr.)

In jedem Fall musst Du jedoch Dein Einzelkämpfer-Mindset ablegen, wenn Dir Design Thinking einen wirklichen Nutzen stiften soll.

Tools & Übungen, die Dein Design Thinking Mindset fördern

Sprich mit Laien und Anfängern

Wir Menschen haben die Angewohnheit, immer mit Experten zu einem Thema sprechen zu wollen. Weil wir uns von ihnen konkrete Tipps erhoffen oder versuchen, dadurch Fehler zu vermeiden. In der VUCA-Welt gibt es aber keine Experten. Gewöhne Dir deshalb an, Dich regelmäßig mit Laien und Anfängern über Dein Thema auszutauschen.

In der Regel haben sie einen erfrischend unverstellten Blick. Deshalb sehen sie oft Dinge, die echten Experten oft verborgen bleiben. Auch bei Deiner Zielgruppe solltest Du Dich immer auch mit Anfängern unterhalten. Wenn Du zum Beispiel eine Lösung für Konzerne entwickeln möchtest, solltest Du deshalb ebenfalls mit Auszubildenden, dualen Studenten oder Praktikanten sprechen. (Und nicht nur mit Managern und CEOs.)

Fertige eine Empathy Map an

Um tief in die Welt Deiner Zielgruppe abzutauchen, kannst Du auch auf die Empathy Map zurückgreifen. Sie ist für Dein Design Thinking Mindset besonders hilfreich, weil Du Dich Deiner Zielgruppe dadurch über ihre konkrete, wahrgenommene Umwelt näherst. (Und Dir erst anschließend Gedanken darüber machst, was in ihrem Kopf vorgeht.) Auf diese Weise näherst Du Dich Deiner Zielgruppe gewissermaßen „von außen nach innen“.

Apropos „Umwelt“: Nutze jede Gelegenheit, um Deine Zielgruppe in ihrem Alltag zu begleiten und sie zu beobachten. Beispielsweise durch Shadowing, A Day in the Life oder Fly on the Wall. Diese Methoden kannst Du auch dann nutzen, wenn Du gerade gar keinen Design Thinking Prozess durchläufst.

Nutze Jobs to Be Done

Sprich mit Deiner Zielgruppe niemals über Deine Lösungen und Ideen! Versuche vielmehr Aufgaben, Herausforderungen und Wünsche Deiner Zielgruppe zu begreifen. Hierbei ist die Jobs-to-Be-Done-Methode ganz besonders hilfreich, weil sie Dich gewissermaßen dazu zwingt, über den Problemraum Deiner potenziellen Nutzer zu sprechen, ohne dabei sofort in Lösungen zu denken oder über Produktideen zu sprechen.

Besuche Fuckup Nights

Du bist nicht die einzige Person, die Angst vor Fehlern hat! Für einen guten Umgang mit Fehlern kann es Dir helfen, mit anderen Menschen offen über Fehlschläge und Scheitern zu sprechen. Wir Menschen haben eine Tendenz, die Dinge, die nicht gut gelaufen sind, zu verschweigen und niemandem davon zu erzählen. Das ist natürlich verständlich. Allerdings fällt es uns dann schwerer, daraus zu lernen.

Besuche eine Fuckup Night! Höre anderen über ihr Scheitern zu und teile vielleicht sogar Fehlschläge, die Du selbst erlebt hast.

Probiere Techniken aus der angewandten Improvisation aus

Wenn Du das richtige Mindset für erfolgreiches Design Thinking einüben möchtest, solltest Du Dich auch mit angewandter Improvisation beschäftigen. Hier gibt es ein großes Füllhorn an Übungen und Ideen, die Du in einer Gruppe, aber auch alleine durchführen kannst.

Betrachte Dein „Wissen“ als Annahmen

Komplexität und Ungewissheit bringen es mit sich, dass sich viele Deiner (angeblichen) Gewissheiten später als falsch herausstellen. Deshalb kann es ungemein helfen, wenn Du jeder Deiner „Gewissheiten“ ein „Ich glaube, dass…“ voranstellst.

Statt also zu sagen (oder zu denken) „Meine Zielgruppe ärgert sich, wenn sie…“, sagst (oder denkst) Du „Ich glaube, dass sich meine Zielgruppe ärgert, wenn sie…“

Annahmen & Hypothesen - Design Thinking Mindset

Auf diese Weise setzt Du Dir selbst eine Art Erinnerungs-Marker, dass es sich eben nicht um eine Gewissheit, sondern vielmehr um eine Annahme handelt.

Wenn Du die Arbeit mit Annahmen und Hypothesen noch weiter professionalisieren möchtest, kannst Du das sogenannte Assumption Mapping anwenden. Bei dieser Übung machst Du alle Deine Annahmen zu einem Problembereich gezielt sichtbar. Gleichzeitig hinterfragst Du dabei zum einen, wie groß Deine Gewissheit zu jeder Deiner Annahmen ist. Zum anderen jedoch auch, wie wichtig jede Annahme für Dein Geschäftsmodell ist.

Schließe Dich mit anderen zusammen

Nur weil Du Sologründer bist, heißt das nicht, dass Du Dich nicht regelmäßig mit anderen über Deine persönlichen Herausforderungen austauschen kannst (und solltest). Beispielsweise kannst Du Dich einer Mastermind-Gruppe anschließen, die Dir kontinuierlich Feedback und Unterstützung bietet.

Auf scamper findest Du darüber hinaus die verschiedensten Gruppen zu Design Thinking, Jobs to Be Done und vielen anderen Themen. Der Austausch in diesen Gruppen hilft Dir dabei, Dein Design Thinking Mindset weiterzuentwickeln und kontinuierlich auszubauen. Manche Gruppen treffen sich auch regelmäßig online, sodass Du Deine aktuellen Herausforderungen auch im direkten Gespräch mit anderen Gruppenmitgliedern besprechen kannst.

Überwinde Kontrolle und Perfektionismus

Viele Solopreneure sind es gewohnt, alles selbst zu erledigen und auch ihre Entscheidungen alleine zu treffen. Und natürlich ist es wichtig, dabei möglichst gute Arbeit anzuliefern. Allerdings kann ein ungesunder Perfektionismus im Design Thinking kontraproduktiv sein, weil er zu zögerlichem Handeln und Scheu vor Experimenten führt.

Mache kleine, einfache und schnelle Experimente, um Informationen zu sammeln, statt immer sofort den großen, perfekten Wurf zu landen. Verschiebe Deinen Fokus von „perfekt“ zu „nützlich & lerneffektiv“.

Fazit zum Design Thinking Mindset

Ein Design Thinking Mindset ist mehr als nur ein „Werkzeugkasten voller Methoden“. Es ist eine Denkweise, die Dich dabei unterstützt, flexibel, empathisch und zielgerichtet auf komplexe Probleme zu reagieren. Indem Du Annahmen hinterfragst, Dich auf das Experimentieren einlässt und Dich mit anderen vernetzt, kannst Du auch als Solo-Gründer die Perspektivenvielfalt und Kreativität nutzen, die Design Thinking so wertvoll macht.

Und letztlich geht es darum, nicht nur Probleme zu lösen, sondern echte Mehrwerte für Deine Zielgruppe zu schaffen. Wenn Du Deine Kontroll- und Perfektionismus-Haltung ablegst und die Herausforderungen der VUCA-Welt annimmst, wird Design Thinking zu einem unschätzbaren Vorteil für Dich und Dein Business.

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