Aufgeschlagenes Notizbuch mit einer kreativen Skizze zu Design Thinking und Agile Methoden. Das Wort Agility steht im Zentrum, umgeben von Zeichnungen wie Zahnrädern, einem Papierflieger, Diagrammen und Pfeilen. Eine Hand hält das Buch, während im Hintergrund Büromaterialien und eine Tasse Kaffee auf einem Holztisch liegen.

Ist Design Thinking agil?

Design Thinking und agile Methoden wie Scrum, Kanban oder Lean Startup haben vieles gemeinsam: Beide helfen, komplexe Probleme in überschaubare Schritte zu zerlegen und durch ständige Anpassung schneller Lösungen zu entwickeln. Gerade in Zeiten, in denen Anforderungen und Märkte ständig im Wandel sind, ermöglichen Dir diese Methoden ein flexibles und zugleich zielgerichtetes Arbeiten. In diesem Artikel werfe ich mit Dir einen Blick auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Design Thinking und agilen Ansätzen und zeige Dir, wie sie sich in der Praxis sinnvoll kombinieren lassen.

Gemeinsamkeiten von Design Thinking und agilen Methoden

Wenn Du Design Thinking und agile Methoden wie Scrum, Kanban oder auch Lean Startup miteinander vergleichst, dann fallen vor allem zwei große Gemeinsamkeiten auf: Erstens der Umgang mit Komplexität und Ungewissheit der VUCA-Welt. Und zweitens das iterative Vorgehen.

Umgang mit VUCA

Design Thinking und agile Methoden sind immer dann sinnvoll, wenn Du mit sehr viel Ungewissheit und Komplexität konfrontiert bist. Wenn Du also weder das Problem noch die mögliche Lösung richtig verstanden hast, bist Du gezwungen, schnell hinzuzulernen.

VUCA-Welt
Design Thinking & agile Methoden geben Antworten auf die Herausforderungen der VUCA-Welt

Agile Methoden helfen Dir, mit komplexen Situationen besser umzugehen. Ein großes Missverständnis von agilem Arbeiten ist, dass viele glauben, dass dadurch alles schneller fertig wird. Tatsächlich geht es vielmehr darum schneller zu lernen.

Kurz gesamt: Agile Methoden und Design Thinking teilen das gleiche Anwendungs- & Einsatzgebiet.

Iterationen

Die zweite Gemeinsamkeit, die Design Thinking mit agilen Methoden teilt, sind sogenannte Iterationen. Hinter diesem zunächst vielleicht etwas sperrig daherkommenden Begriff steckt eine ziemlich simple Idee.

Eine Iteration ist die kontinuierliche Wiederholung eines immer gleich ablaufenden Prozesses.

Iterationen in Gesellschaftsspielen

Ein gutes Beispiel für eine Iteration sind Spielzüge in einem Gesellschaftsspiel. Im bekannten Legespiel Carcassonne sind die einzelnen Schritte eines Spielzugs bzw. Iteration:

  1. Karte ziehen und anlegen
  2. Einen Gefolgsmann auf die soeben gelegte Karte setzen (Wegelagerer, Ritter, Mönch oder Bauer)
  3. Wird durch die angelegte Karte eine Straße, eine Stadt oder ein Kloster mit einem Gefolgsmann fertig, erhält der Spieler dieses Gefolgsmanns Punkte.

Iterationen in Scrum

Beim agilen Rahmenwerk Scrum nennen sich Iterationen auch Sprints. Sprints sind maximal vier Wochen lang und folgen (genauso wie ein Spielzug in Carcassonne) immer dem gleichen Ablauf:

  1. Sprint Planning
  2. Daily Scrum (Kurzes tägliches Meeting an jedem Tag eines Sprints)
  3. Sprint Review
  4. Sprint Retrospektive

Genau wie bei Carcassonne beginnt der Sprint bzw. die Iteration in Scrum danach wieder direkt von vorne.

Iterationen im Design Thinking

Im Design Thinking lauten die Stationen einer Iteration:

  1. Kontext verstehen
  2. Menschen beobachten
  3. Sichtweise definieren
  4. Ideen entwickeln
  5. Prototypen bauen
  6. Prototypen testen

Allerdings verbirgt sich bei den sechs Design Thinking Phasen auch ein Unterschied im Vergleich zu Scrum. Denn beim Design Thinking ist es durchaus möglich, jederzeit zu einer früheren Phase zurückzuspringen und dort mit Hilfe neu gewonnener Erkenntnisse den Design Thinking Prozess fortzuführen.

Unterschiede zwischen Design Thinking und agilen Methoden

Im Gegensatz zu den beiden bekanntesten agilen Methoden (Scrum & Kanban) ist Design Thinking sehr viel stärker auf Ideenfindung und ein gutes Verständnis Deiner Nutzer ausgelegt. (Beides spielt aber natürlich auch in Scrum oder Kanban ein wichtige Rolle.)

  • Bei Scrum liegt der Fokus jedoch viel stärker auf der kontinuierliche Lieferung neuer Funktionen bzw. „Wert“ für Deine Kunden.
  • Bei Kanban hingegen geht es in erster Linie darum, einen optimierten Wertstrom zu erzeugen.
Wenn Du so möchtest, setzen Scrum und Kanban den Problem Solution Fit quasi voraus, während Du beim Design Thinking erst versuchst, diesen herzustellen.

Der Einsatz von Design Thinking ist zeitlich begrenzt

Ein weiterer Unterschied zwischen Design Thinking und anderen agilen Methoden ist der, dass der Einsatz von Design Thinking in der Regel zeitlich begrenzt ist. Das heißt, während Du zum Beispiel Scrum oder Kanban kontinuierlich einsetzen kannst, gilt das für Design Thinking nicht.

Meistens endet der Design Thinking Prozess, sobald Du ausreichend Informationen gesammelt hast. Zum Beispiel weil Du einige vielversprechende Ideen bzw. Prototypen entwickelt und getestet hast, die die Probleme Deiner Zielgruppe lösen könnten. Häufig wechselst Du dann über zu Lean Startup und entwickelst ein Minimum Viable Product oder steigst direkt auf Scrum um.

Design Thinking, Lean Startup & Agile bzw. Scrum

Dieser Wechsel zwischen den agilen Methoden wurde 2016 mit der untenstehenden Grafik der Beratungsfirma Gartner sehr gut visualisiert.

Auch wenn diese Grafik natürlich eine vereinfachte Darstellung ist, ist der Übergang vom Design Thinking über Lean Startup hin zu Agile (in dem Fall Scrum) durchaus logisch und nachvollziehbar. Auf diese Weise wird vor allem der zeitlich begrenzte Einsatz von Design Thinking (und Lean Startup) anschaulich. Besonders auffällig an der Grafik ist außerdem, dass die beiden letzten Phasen des Design Thinkings bereits zum Lean-Startup-Zyklus Build-Measure-Learn gerechnet werden.

Randnotiz für Profis: Es gibt mittlerweile sogar noch eine Erweiterung dieser Darstellung namens 4+ Modell, bei dem Scrum durch Six Sigma abgelöst wird.

Kombination von Design Thinking und agilen Methoden

Ganz so klar und eindeutig wie oben dargestellt ist die Unterscheidung zwischen agilen Methoden auf der einen und Design Thinking auf der anderen Seite dann allerdings doch nicht. Viele Methoden und Tools, die ursprünglich aus dem Design Thinking stammen, haben mittlerweile ihren fest Platz in agilen Methoden gefunden und werden dort erfolgreich eingesetzt. Hier sind zum Beispiel die Jobs-to-Be-Done-Methode, das Value Proposition Canvas oder auch die Empathy Map zu erwähnen.

Neben dem Einsatz einzelner Methoden kann es darüber hinaus sinnvoll sein, das übliche agile Vorgehen zu unterbrechen und durch einen zeitlich begrenzten Design Thinking Prozess zu ersetzen. Das gilt ganz besonders dann, wenn Komplexität und Ungewissheit zu groß werden. Denkbar ist auch ein kurzer Design Sprint, der auf 5 Tage begrenzt ist.

Außerdem ist es auch möglich sowohl agiles Arbeiten als auch Design Thinking parallel zu betreiben. Das heißt, Du nutzt weiter Scrum oder Kanban für Deine tägliche Arbeit, durchläufst jedoch gleichzeitig einen Design Thinking Prozess, der Dir mehr Klarheit bei einem speziellen Thema verschaffen soll, das noch extrem unklar ist. Zum Beispiel ein neues Feature für Dein aktuelles Produkt.

Fazit

Zusammenfasst lässt sich sagen, das sowohl Design Thinking als auch agile Methoden hilfreiche Ansätze bieten, um komplexe und unklare Herausforderungen anzugehen. Während Design Thinking den Fokus eher auf ein tiefes Verständnis der Nutzer und kreative Problemlösungen legt, ermöglichen agile Methoden wie Scrum und Kanban eine kontinuierliche Weiterentwicklung Deines Angebots.

Beide Ansätze ergänzen sich ideal und können – je nach Phase Deines Projekts – flexibel miteinander kombiniert werden, um innovative und nutzerzentrierte Lösungen zu schaffen.

Cartoon-Illustration eines jungen Abenteurers mit blondem Haar, der durch ein Fernglas blickt. Er trägt einen Rucksack mit einer zusammengerollten Matte und hat eine entschlossene Haltung. Sein Gesichtsausdruck wirkt neugierig und fokussiert.

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