
So erlernst Du einen besseren Umgang mit Fehlern
Kurioserweise ist für einen besseren Umgang mit Fehlern nicht nur relevant, was Du denkst, wenn Dir etwas misslingt, sondern auch, wenn Dir etwas glückt. Viele Solopreneure haben nicht nur Schwierigkeiten, mit Fehlschlägen umzugehen, sondern auch stolz auf ihre eigenen Erfolge zu sein. Die Motivationsforschung unterscheidet deshalb in der sogenannten Attributionstheorie zwischen Erfolgs- und Misserfolgsdenkern. Und je nachdem, welchen Modus Du bevorzugst, verfolgst Du dabei sowohl bei Erfolgen als auch Misserfolgen ganz unterschiedliche Erklärungsstrategien.
Die gute Nachricht ist: Du kannst üben, die „richtigen Gedanken zu haben“ und Dich dadurch langfristig vom Misserfolgs- zum Erfolgsdenker zu machen. Wie Dir das gelingt, erfährst Du in diesem Blogartikel.
Inhaltsverzeichnis
Wie Dir die Attributionstheorie beim Umgang mit Fehlern hilft
Okay, der Name der Attributionstheorie klingt erst mal ein wenig schräg und sperrig, geb ich zu. Aber nichtsdestotrotz kannst Du mit ihr sehr vieles über Deinen Umgang mit Fehlern (und Deinen Erfolgen) besser verstehen.
Attributare kommt aus dem Lateinischen und bedeutet zunächst einmal nicht mehr als „zuschreiben“. Die Attributionstheorie hat also ihren Namen, weil es hier um die Zuschreibung von Erfolg und Misserfolg geht. Sie geht nämlich davon aus, dass wir unterschiedliche Perspektiven einnehmen bzw. Strategien verfolgen können, wenn es darum geht, die Gründe für Erfolg oder Misserfolg zu identifizieren (bzw. zuzuschreiben). Kurz gesagt: Warum warst Du bei etwas erfolgreich bzw. nicht erfolgreich?
Und bei diesen Erklärungsversuchen gibt es zwei unterschiedliche Dimensionen: variabel vs. stabil auf der einen und internal vs. external auf der anderen Seite.
Variabel vs. stabil
Zum einen kannst Du Erfolg und Misserfolg als etwas betrachten, das prinzipiell auch anders hätte ausgehen können. In diesem Fall nimmst Du eine variable Perspektive ein. Das sind dann zum Beispiel Gedanken wie: „Da habe ich aber Glück gehabt“ (bei Erfolg) bzw. „Das war aber Pech“ (bei Misserfolg). Du hättest ja auch kein Glück bzw. kein Pech haben können.
Zum anderen kannst Du die Gründe für Deinen Erfolg und Misserfolg aber auch als unveränderbar deuten. So gesehen betrachtest Du dann beides als etwas, das gar nicht hätte anders ausgehen können. Du siehst die Gründe für Deinen Erfolg oder Misserfolg dann als stabil an. Beispiel: „Ich bin der Allergeilste“ (bei Erfolg) oder „Ich kann das einfach nicht“ (bei Misserfolg).
Internal vs. external
Neben der Dimension variabel vs. stabil gibt es jedoch auch noch die Dimension internal vs. external, die für Deinen Umgang mit Fehlern und Erfolgen relevant ist.
Falls Du die Gründe für einen Erfolg oder Misserfolg in Dir selbst siehst, nimmst Du eine internale Perspektive ein. Zum Beispiel: „Ich bin ein Naturtalent.“ Verortest Du die Gründe jedoch außerhalb von Dir, verfolgst Du eine externale Strategie. Das sind dann beispielsweise solche Gedanke wie: „Die ganze Welt ist gegen mich.“
Die 2×2-Matrix der Attributionstheorie
Beide Dimensionen schließen sich jedoch nicht gegeneinander aus, sondern treten vielmehr gleichzeitig auf, wodurch sich vier verschiedene Kombinationen ergeben.

Damit Dir verständlich wird, wie das konkret aussieht, gebe ich Dir jetzt für jede der vier denkbaren Kombinationen ein Beispiel. (Und zwar sowohl für Erfolge als auch für Misserfolge.)
Erklärungsstrategien für Erfolg
- External-variabel: „Das war einfach Glück!“
- External-stabil: „Mathe ist total easy.“
- Internal-variabel: „Ich habe mich genau richtig für die Prüfung vorbereitet.“
- Internal-stabil: „Ich bin ein Naturtalent.“

Erklärungsstrategien für Misserfolg
- External-variabel: „Das war aber Pech!“
- External-stabil: „Mathe ist total schwer.“
- Internal-variabel: „Ich hab mich auf diese Prüfung nicht gut vorbereitet.“
- Internal-stabil: „Ich tauge auch zu gar nichts.“

Die Erklärungsstrategie internal-variabel entspricht übrigens dem sogenannten Growth Mindset, das von der Psychologin Carol Dweck entdeckt wurde.
Erfolgsdenker vs. Misserfolgsdenker
Warum ist das jetzt alles wichtig für einen guten Umgang mit Fehlern? Nun, die Motivationsforschung hat herausgefunden, dass es so etwas wie Erfolgsdenker bzw. Misserfolgsdenker gibt. Bei der Suche nach den Gründen (sowohl für Erfolge als auch für Misserfolge) nutzen sie nämlich ganz unterschiedliche Erklärungsstrategien.
Erklärungsstrategien von Erfolgsdenkern
Bei Erfolgen nutzen Erfolgsdenker in der Regel eine internale Strategie. Das heißt, wenn ihnen etwas glückt, schreiben sie sich die Gründe für diesen Erfolg selbst zu. Sie denken also entweder „Ich bin ein Naturtalent“ (internal-stabil) oder „Ich habe mich genau passend auf die Prüfung vorbereitet“ (internal-variabel).

Bei Misserfolgen hingegen nutzen Erfolgsdenker eher variable Erklärungsansätze. Damit hat der Misserfolg für sie nichts Bedrohliches mehr, weil es auch anders hätte kommen können bzw. in der Zukunft in einen Erfolg verwandelt werden kann.
Erfolgsdenker haben dann zum Beispiel Gedanken wie die folgenden: „Das war aber Pech!“ (external-variabel) oder „Ich habe mich auf diese Prüfung nicht gut vorbereitet“ (internal-variabel). Im Endergebnis führt diese variable Strategie zu einem positiven und guten Umgang mit Fehlern und Misserfolgen.

Erklärungsstrategien von Misserfolgsdenkern
Bei Misserfolgsdenkern jedoch sind die Erklärungsansätze bzw. Strategien genau umgekehrt.
Bei Erfolgen nutzen sie eine externale Strategie und verorten die Gründe für den Erfolg damit stets als außerhalb von sich selbst: „Das war einfach Glück“ (external-variabel) oder „Mathe ist total easy“ (external-stabil).

Bei Misserfolgen hingegen greifen Misserfolgsdenker auf einen stabilen Erklärungsansatz zurück: „Mathe ist total schwer“ (external-stabil) oder „Ich tauge zu gar nichts“ (internal-stabil).

Was bedeutet das für den Umgang mit Fehlern?
Wenn Du Dir die verschiedenen Erklärungsansätze von Erfolgsdenkern und Misserfolgsdenkern anschaust, dann kannst Du leicht erkennen, was diese Strategien in Deinem Kopf auslösen.
- Wenn Du ein Misserfolgsdenker bist und Dir etwas glückt, liegen die Gründe dafür immer außerhalb von Dir. Dadurch wird es für Dich natürlich sehr schwer, stolz darauf zu sein, was du geleistet hast. (Denn die Gründe für Deinen Erfolg liegen ja außerhalb von Dir. Worauf solltest Du da stolz sein?)
- Wenn Du als Misserfolgsdenker hingegen einen Fehler machst, dann sind die Gründe für diesen Fehlschlag immer stabil und unveränderbar. Es konnte also gar nicht anders sein als dass es in die Hose geht!
- Bist Du hingegen Erfolgsdenker und Dir glückt etwas, findest Du die Gründe für den Erfolg in Dir selbst und kannst den oben erwähnten Stolz erleben.
- Falls Du aber einen Misserfolg hattest, sind die Gründe dafür variabel. Das bedeutet für Dich, dass Du die Gründe für Deinen Misserfolg verändern kannst, um bei einer späteren Gelegenheit Erfolg zu haben.
Wie Du einen besseren Umgang mit Fehlern (und Erfolgen) übst
Tatsächlich kannst Du den Umgang mit Fehlern (und Erfolgen) mit der Attributionstheorie aktiv üben.
Visualisiere Deine Gedanken bei Erfolgen & Misserfolgen
Dazu zeichnest Du die 2×2-Matrix der Attributionstheorie einfach auf ein großes Blatt Papier (DIN A3 sollte es schon sein) und zwar jeweils einmal für Deine Erfolge und Deine Misserfolge. Beide Blätter hängst Du am besten gut sichtbar an einer Tür oder einer Wand auf, an der Du häufig vorbeikommst. Es hilft nämlich sehr, wenn Du Dir Deiner Denkgewohnheiten so oft wie möglich bewusst wirst. Denn so erinnerst Du Dich so oft es geht daran, dass Du immer vier verschiedene Erklärungsmöglichkeiten für Deinen Umgang mit Fehlern und Erfolgen hast.
Falls Du Dir die Matrix nicht selbst zeichnen möchtest, kannst Du Dir hier auch eine PDF-Vorlage herunterladen.
In Zukunft gehst Du jedes Mal, wenn Du einen Erfolg oder Misserfolg hattest, zu Deiner Matrix und schreibst den (ersten) Gedanken auf ein Post-it, den Du dazu hattest. Warst Du zum Beispiel bei etwas erfolgreich und hast gedacht: „Ich hab’s einfach drauf!“, schreibst Du das auf einen Post-it und klebst ihn in das entsprechende Feld der Attributions-Matrix für Erfolge. (In dem Fall internal-stabil.) Hattest Du einen Misserfolg und hast gedacht: „Ich hab mich dieses Mal nicht gut vorbereitet“, klebst Du diesen Gedanken in der Matrix für Misserfolge in das Feld internal-variabel.
Erkenne die Muster in Deinen Gedanken
Wenn Du das eine gewisse Zeit gemacht hast, wirst Du erkennen, welche Erklärungsstrategien Du am liebsten nutzt, wenn Du Erfolge und Misserfolge hast. Schreibst Du Dir Erfolge selbst zu oder liegen die Gründe für Deine Erfolge immer außerhalb von Dir? Wie gehst Du mit Fehlern um? Hätte es auch anders kommen können oder sind in Deiner Wahrnehmung die Gründe für Deine Misserfolge stabil und unveränderbar?
Mache Dir alternative Erklärungen bewusst
Wenn Du Deine Vorlieben erkannt hast, kannst aktiv daran arbeiten, Dir zu überlegen, welche anderen Erklärungen für Deine Erfolge und Misserfolge möglich sind. Stellst Du zum Beispiel fest, dass Du bei Deinen Erfolgen häufig nach externalen Gründen suchst, solltest Du Dir überlegen, welche internale Erklärungen es dazu noch gibt.
Im Grunde hast Du also immer drei alternative Erklärungen für Deinen Erfolg oder Misserfolg. Die Attributionstheorie hilft Dir also sowohl bei einem besseren Umgang mit Fehlern als auch mit Erfolgen und macht Dich damit mit ein wenig Übung zum Erfolgsdenker.
Fazit
Wenn Du versuchst, einen besseren Umgang mit Fehlern zu erlernen, solltest Du Dich immer auch darauf konzentrieren, wie Du mit Deinen Erfolgen umgehst. Die Attributionstheorie hilft Dir dabei, alternative Erklärungen bzw. Gedanken zu formulieren, um Dich langfristig vom Misserfolgsdenker zum Erfolgsdenker zu machen.
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